Preis 2026 der Winter Stiftung
für Rechte der Natur

Mit dem Preis 2026 der Winter Stiftung für Rechte der Natur werden herausragende Arbeiten gewürdigt, die sich mit den rechtlichen Möglichkeiten und Konzepten zur substantiellen Verbesserung eines Schutzes der Natur oder ihrer Bestandteile befassen.

Einstimmig entschied die Jury - der Preis 2026 geht an:

Kategorie Dissertation

Dr. Jula Zenetti

Tina Rametsteiner

Rechte der Natur aus der Perspektive des EU-Rechts und des deutschen Rechts
Universität Leipzig

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Kann der Schutz der Umwelt bzw. der Natur – auch in Anbetracht des Entwicklungsstandes des Umweltrechts in der EU und Deutschlands – durch die Anerkennung von Eigenrechten der Natur gestärkt werden? Vorbereitend für die Untersuchung dieser Frage werden die Entwicklung des Eigenrechtskonzepts und dessen verschiedene Varianten dargestellt, kategorisiert und analysiert. Anschließend wird das Eigenrechtskonzept – in seinen unterschiedlichen Ausprägungen – mit den bestehenden Regelungen des EU-Rechts und des deutschen Rechts in drei Bereichen verglichen: dem Schutz ökologischer Integrität, dem Umgang mit Kollisionen und der gerichtlichen Durchsetzbarkeit. Dabei treten sowohl Überschneidungen als auch Schutzdefizite beider Ansätze zutage.
Zugleich macht die Gegenüberstellung eine bemerkenswerte Entwicklung sichtbar: Zahlreiche Indizien weisen darauf hin, dass sich das Umweltrecht der EU und Deutschlands sich zunehmend in Richtung subjektiver Rechte der Natur bewegt. Die Subjek+tivierungstendenzen zeigen sich einerseits durch wachsende Parallelen zwischen geltendem Umweltrecht und Eigenrechten. Andererseits wird erkennbar, dass sich eigene Rechte der Natur in einigen Bereichen stimmiger in die Rechtsordnungen der EU und Deutschlands einfügen als herkömmliche umweltrechtliche Pflichten. Darüber hinaus wird analysiert, welche Wirkungen subjektive Rechte sowohl innerhalb des Rechtssystems als auch nach außen in die Gesellschaft hinein entfalten. Subjektive Rechte haben Rechtssysteme und gesellschaftliche Strukturen seit Jahrhunderten maßgeblich geprägt; insbesondere für die Gegenwart wird ihnen eine immense Bedeutung zugesprochen.

Dr. Franca Lorber

Franca Lorber

Ökologisches Eigentum

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Abstract

Das Eigentumsrecht weist aufgrund seiner verfassungsrechtlichen Konzeption als Institutsgarantie und subjektive Bestandsgarantie ein besonderes Transformations- und Steuerungspotenzial für gesellschaftliche Wandlungsprozess auf. Angesichts der ökologischen Herausforderung des Anthropozäns, manifestiert insbesondere im fortschreitenden Artensterben, im Klimawandel und der Globalvermüllung, gerät das Eigentumsrecht unter erheblichen Anpassungsdruck. Vergleichbar den Umbrüchen der bürgerlichen Revolution und der Herausbildung des sozialpflichtigen Eigentums steht es heute vor der Aufgabe, seine normative Struktur an die Erfordernisse ökologischer Nachhaltigkeit und des wirksamen Schutzes der Natur anzupassen.

Die vorliegende Arbeit setzt an diesem Punkt an und entwickelt juristische Konzepte zur substantiellen Stärkung des Natur- und Umweltschutzes durch eine ökologische Neujustierung des Eigentumsrechts. Ziel ist es, den Begriff und das Konzept des „ökologischen Eigentums“ systematisch in seiner dogmatischen Vielschichtigkeit zu entfalten und damit einen Beitrag zur Fortentwicklung des Rechts auf dem Gebiet des Natur-, Arten- und Biotopschutzes zu leisten. Ausgehend von einer verfassungsdogmatischen Analyse der Eigentumsgewährleistung des Art. 14 GG werden drei komplementäre Ausprägungen ökologischen Eigentums herausgebildet: Während das Konzept des Nichteigentums (1) die Natur in ihrer Reserve- und Potentialitätsfunktion schützt, soll die Anerkennung der Rechtssubjektivität der Natur (2) zu einer qualitativen Stärkung ihrer Durchsetzungs- und Abwehrpositionen führen. Das ökologiepflichtige Eigentum (3) macht schließlich die reziproke Beziehung zwischen Mensch und Natur, die gemeinsam eine biodiverse Gesellschaft bilden, sichtbar, insbesondere die fundamentale Abhängigkeit menschlicher Freiheit von einer intakten Umwelt. Diese drei Eigentumsformen werden angesichts der anthropozänen Herausforderungen in einem verfassungstheoretisch begründeten und verfassungsdogmatisch strukturierten Analyserahmen systematisch entfaltet. Auf dieser Grundlage unterbreitet die Arbeit abschließend rechtspolitische Handlungsempfehlungen für die normative Ausgestaltung und den praktischen Umgang mit ökologischem Eigentum als rechtliche Rahmenbedingung eines verantwortungsvollen Umgangs mit Konfliktlagen an der Schnittstelle von Eigentum und Natur.

 

Franca Lorber

Universität München

 

Kategorie Aufsatz

Dr. Matthias Kramm

A Tale of Two (and More) Models of Rights of Nature

In: Environmental Ethics, Volume 47, Number 2 (Summer 2025): 159–180, DOI: 10.5840/enviroethics20252696

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Matthias Kramm is a postdoctoral researcher at the Chair of Ethics, Theory, and History of the Life Sciences, University of Tubingen, Wilhelmstrasse 56, 72074 Tubingen, Germany. Kramm’s academic work focuses on questions of political philosophy, non-Western philosophy, and environmental ethics.
Work on this article was funded by a Rubicon grant (019.212SG.001) from the Dutch Research Council (NWO). Earlier versions of this material were presented at the KTI colloquium of Wageningen University, the Fika talks of Tilburg Law School, the MANCEPT Workshop on “Environmental Ethics meets Political Philosophy,” and IAEP 2023. The author wishes to express his gratitude for helpful comments on those and other occasions, from Anna Berti Suman, Andrew Cohen, Miriama Cribb, Alessio Gerola, Markku Oksanen, and from two anonymous reviewers of this journal. https://orcid.org/0000-0002-2021-989X; matthias.kramm@uni-tuebingen.de.
In our contemporary world, the rights of nature have become an important legal device for environmental protection. Some of the most influential rights of nature frameworks can be found in non-Western contexts and have been strongly influenced by ecocentric accounts of nature. This article addresses the question of whether rights of nature can be implemented in Western contexts as well, focusing in particular on Europe. It first examines ecocentric justifications of the rights of nature and discusses two possible non-ecocentric alternatives.
Second, two models for implementing rights of nature—the nature’s rights model and the legal personhood model—are compared to demonstrate how different combinations of elements from both models can fit different socio-cultural contexts, including Western ones.

Environmental Ethics
Volume 47, Number 2 (Summer 2025): 159–180
DOI: 10.5840/enviroethics20252696

Dr. Matthias Kramm
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Laura Affolter, Martha-Cecilia Dietrich, Jenny Garcia Ruales, Andreas Gutmann

Portrait Martha-Cecilia Dietrich

Laura Affolter, Martha-Cecilia Dietrich, Andreas Gutmann and Jenny García Ruales
Stories of Systemic Failure?
Landscaping the Rights of Nature in Europe

In: Journal of Legal Anthropology • Volume 8, Issue 1, Summer 2024: 46–76 © The Author(s) doi:10.3167/jla.2024.080103 ISSN 1758-9576 (Print) • ISSN 1758-9584 (Online)

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Abstract

In Europe, calls for ecosystems to be granted rights are mount­ing. While socio-legal research on the Rights of Nature tends to focus on the strategies of the few success stories, less attention is given to the many failed or stagnated initiatives, many of them in Europe. “Landscaping the Rights of Nature” is both a methodological proposition and an ana­lytical approach to examining procedures available to citizens to intro­duce the Rights of Nature to the courts of Europe. This article examines three sociopolitical territories from our fieldwork sites in Switzerland, the Netherlands, and Germany in which procedures characteristic of Eu­rope’s democratic systems are used to mobilise national legal governance, international networks of lobbying groups, and citizens through artistic interventions. By engaging ethnographically with the wider sociopolitical processes involved in establishing rights for nature, we seek to offer a qualitative view on the possibilities and limitations of Europe’s liberal democracies in effecting sociopolitical transformations.

Journal of Legal Anthropology • Volume 8, Issue 1, Summer 2024: 46–76 © The Author(s) doi:10.3167/jla.2024.080103 ISSN 1758-9576 (Print) • ISSN 1758-9584 (Online)